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Frauenseminare sind in einigen Unternehmungen in Deutschland noch heftig umstritten. Wenn überhaupt gestritten wird. Den Trainings haftet der Touch (selbst aus Sicht mancher Frauen!) von “Seminaren für Bedürftige”an. Weiterbildungsreferenten/innen befürchten, daß Frauenseminare die Teilnehmerinnen in einer Schutzatmospäre halten, die der “harten Realität” im Unternehmen nicht gerecht wird. Und sie sehen oft sogar keinen Bedarf.

Frauen sind anderes, Männer auch. Das sind vielleicht Befürchtungen, doch Befürchtungen sind keine Tatsachen. Und Tatsache ist nun mal, daß Frauen anders denken, fühlen und vor allem reden, anders führen und sich oft anders verhalten als Männer. Daher ist es einfach folgerichtig, daß bei betrieblichen W e i t e r b i l d u n g s - u n d Qualifizierungsmaßnahmen diese spezifische Andersartigkeit berücksichtigt wird. Das wird sie jedoch im Allgemeinen nicht.
Sehr häufig wird in gemischten Seminaren stillschweigend unterstellt, daß alle Teilnehmer mehr oder minder gleich sind. Wenn langjährig erfahrene Trainer in ihrer Seminararbeit das Gegenteil erfahren haben, wird ihnen, sofern sie dies zu äußern wagen, “Sozialdarwinismus” unterstellt. Oft übrigens von Frauen!

Die Normen und Werte unserer Gesellschaft, vor allem im Berufsleben,  sind nun mal männlich geprägt. Wer will das bestreiten? Also regieren diese Wertvorstellungen auch ins gemischte Seminar hinein. Das fällt im Seminarraum kaum auf, weil wir es von anderen gesellschaftlichen Veranstaltungen gewöhnt sind. Das heißt, auch hier spielen oftmals die Männer bewußt oder unbewußt ihre gewohnheitsmäßigen Machtspielchen, die sich besonderes im Sprachverhalten ausdrücken und denen sich die Frauen, genau wie in “freier Wildbahn”, sprich ihrem beruflichen Alltag, hilflos, machtlos, ohnmächtig ausgeliefert fühlen.

Sinnvoll sind Frauenseminare aus einem weiteren Grund: Wenn Frauen an gemischten Seminaren teilnehmen, haben sie oftmals weniger davon als die teilnehmenden Männer. Dieses Ungleichgewicht kann jeder erfahrene Trainer bestätigen. Frauen stellen ihr Licht dann eher unter den Scheffel, beteiligen sich weniger, geben eher nach und äußern sich weniger.

Der Ring schließt sich...umso mehr produzieren sich die Männer und fühlen sich in ihren tiefsitzenden Vorurteilen bestätigt. Wenn Frauen in Seminaren unter sich sind, werden sie nicht von einer profilierungssüchtigen Majorität in die Passivität gedrängt. Sie nutzen mehr die Möglichkeiten Fragen zu stellen, ihre speziellen Probleme einzubringen, spezifische Themen anbringen, die in gemischten Seminaren unter den Tisch fallen.

Beispielsweise Themen wie sexuelle D i s k r i m i n i e r u n g , B e l ä s t i g u n g , Benachteiligung, Ungerechtigkeit oder Mobbing.
Männer setzen Gesprächskiller ein, bagatellisieren die so oft zitierte Beziehungsebene der Kommunikation, und leben wie eh und je nach selbstschädigenden Kommunikationsregeln wie “Nicht getadelt ist gelobt genug!”
Frauen wollen nicht Dinge trainieren, die sie bereits können und einsetzen, wie “Aktives Zuhören”..das praktizieren sie seit Jahrtausenden. Sie würden viel lieber etwas über das Thema “Sich durchsetzen” hören, womit Männer im allgemeinen keine Probleme haben und diese Problemfreiheit im Seminar als Anspruch erhoben wird.

Bedarfs- und zielorientierte Weiterbildung ist das jedenfalls nicht.

Frauen im Beruf, und nicht nur in Führungsaufgaben, haben eine Menge Themen, Probleme, Fragen und Aufgabenstellungen, die in üblichen gemischten Seminaren aus den o.g. Gründen oft zu kurz kommen: Wie bringe ich Kritik an, ohne zu verletzen? Wie unterbreche ich männliche, gockelhafte Vielredner und Selbstdarsteller ? Wie verschaffe ich mir in Besprechungen und Konferenzen Gehör und werde ernsthaft wahrgenommen?

Wie gehe ich selbst mit Kritik um, ohne sie unreflektiert persönlich zu nehmen? Wie präsentiere ich meine Leistungen so, daß ich die mir zustehende Anerkennung tatsächlich bekomme(.. und nicht der Kollege, der sie für sich reklamiert)? Wie gewöhne ich es mir ab, ständig “Everybody’s Darling”  ein zu wollen?
Keine Personalentwicklung kann es sich leisten, diese und viele anderen Fragen auszuklammern. Kein Unternehmen kann sich den Luxus leisten, diese Fragen zu übergehen. Die Auswirkungen auf die Produktivität und Motivation der Mitarbeiterinnen sind eklatant und oft sind die Ursachen keinem Beteiligten klar.

Noch etwas spricht für reine Frauenseminare: sie bieten weiblichen Führungskräften eine einzigartige Austauschmöglichkeit. Hier kann sich die Abteilungsleiterin mit ihrer Kollegin auf der gleichen Hierarchie- Ebene “von Frau zu Frau” aus-sprechen. Personalentwickler schätzen diese Komponente inzwischen genauso so hoch ein, wie den eigentlichen Zweck des Seminars, die Vermittlung und das Training von Inhalten.

Frauen können die oftmals “männlichen” Strukturen in Unternehmen kurzfristig nicht verändern, doch sie können lernen, die vorhandenen Freiräume besser wahrzunehmen und sie intelligent zu nutzen.
Sie können lernen die Wirklichkeit Ihrer Arbeitsplätze so umzuwandeln, daß sie dort erfolgreich, selbstbewußt und stark sein können, ohne ihre weibliche Identität und Integrität aufgeben zu müssen. Weiblicher Mehrwert! Frauen können auch lernen, gegenüber Männern Interesse für eigene Anliegen zu wecken, sowie respektfördernde Kompetenz und achtungsgebietende Autorität auszustrahlen.

Und alle im Unternehmen profitieren von diesen Seminaren: Eine bessere, wirksamere und damit erfolgreichere Zusammenarbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen. Frauen und Männer. Es geht nicht darum, die vorgebliche Opferrolle der Frau im Arbeitsalltag lamentierend zu zementieren oder etwa eine Emanzenherrschaft zu propagieren. Es geht darum, gemeinsam mit Männern mehr zu erreichen. Miteinander, nicht gegeneinander. Partner – nicht Pärchen !

Frauenseminare sind kein Ersatz, sondern eine notwendige Ergänzung für gemischte Seminare.

Und als solche sind sie die Investition wert.